"Harre auf Gott" Ps 42,6 Zurück zum Anfang. Gott ließ Adam und Eva alleine, dann kehrte er wieder; er kehrte sich und war wieder da. Er war da als sie gesündigt hatten. Er prüfte den Menschen und so ist es, wenn wir auf Gott harren sollen. Er prüft uns nicht unentwegt, aber er lässt uns auf ihn harren. In den Seligpreisungen Christi sagt er: suchet, so werdet ihr finden. So lange wir harren, suchen wir. Er war nicht in den Naturgewalten, er war im Säuseln, wo man ihn nicht erwartet hatte. Im Gebet ist es auch so, aber er lässt uns von sich aus nicht auf uns warten, sondern so wie wir sind, so verhaltet sich Gott. Als ob wir es erwarten, dass wir harren, weil wir unaufmerksam sind, auch im Gebet. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, sagt Jesus und so ist es auch wenn wir auf Gott harren, wie auf Mutter und Vater oder eben, wenn wir beten. Dann brauchen wir nicht harren, wir tun es gleich und ein Kind betet direkt, erwartet nicht das Harren auf Gott.Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. - So lautet ein altes Gedicht, nun - das Harren ist auch eine Tugend, so wie die Seelen im Fegfeuer darauf harren, für die seligmachende Anschauung Gottes im Himmel zugelassen zu sein. Auch die Sühneseelen harren; sie harren um ihrer Verdienste willen. Warum Verdienste? Die Eigenschaft Gottes ist es gut zu sein, gerecht zu sein, für alle gleichermaßen da zu sein, wie das Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Es sind nicht nur die Prüfungen, wo uns Gott im Anschein lässt, dass wir allein sind, sondern er tut es auch um unserer Verdienste willen. Wie die Sühneseelen, verspüren wir die Wüste in unseren Herzen, doch Gott tut es, damit es nicht im Herzen brennt, so wie wenn wir auf die Geliebte warten und uns unverhältnismäßig sehnen. Nun, aber was ist der Mensch, der Gott nicht kennt? So sind wir seiner gewiß, sobald wir die Wüste erreicht haben, die uns zu einer höheren Gnade führt, als einer Oase des Labsals unserer Seele, in der Gott alleine unser Ziel ist. Wir werden dadurch nicht stärker, aber wir werden gewiß. Wir erreichen also ein Fiat; ein Werden. Ein Werden als das der Kinder Gottes. Wir haben also die Macht erhalten, Kinder Gottes zu werden, wie der Evangelist sagt, allein durch den Verdienst, dass wir auf ihn harrten. Selbst der Name Michael, als ein Wer ist wie Gott? ist ein Harren auf den Allerhöchsten, obgleich Michael immer vor Gott steht. Das Harren dient dazu, sich mit Gott wieder zu vereinen. Oft ist es auch so, dass ein Sakrament, dieses Wirken der Gnade begünstigt. Gott selbst harrt oft ein ganzes Menschenleben darauf, dass sich ein Sünder bekehrt und zu ihm umkehrt, erkennt, dass er der Herr der Ewigkeit ist. Er, der selbst Mensch wurde, sich hinabgeneigt hat in die Kreaturwelt, um auf jeden Einzelnen zu hoffen. So ist es denke ich notwendig, um in der Heiligkeit voran zu schreiten. Dieses Hoffen, dieses Warten, ja, das Harren auf Gott, wo man sagt, dass man es im Gebet tue, doch es ist in allem so, wo Gott wohnt.