Als Grundfrage der hl. Therese von Lisieux: Was gehen mich die Sünden der Anderen an? Hat sie damit als Kirchenlehrerin quasi Doktor der Kirche recht? "Da sprach der Herr zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?" Gen 4,9 Das ist eben die Frage jener Theologie und "Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder und ihr wisst: Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt." 1 Joh 3,15 Bin ich der Hüter? Als Laienpriester ja und als Priester noch mehr. Vgl. "Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein." Mt 5,22 Bin ich der Hüter? Nun, predigen darf hingegen dem Laien, nur der Priester; dem Laienpriester ist es untersagt. Das Einzige was man ergo tun kann, ist beten. Die Frage ist, warum? Weil Kommunikation nicht funktioniert, seit Babel. Würde ich für meinen Bruder beten, wenn ich ihm zürne? Wohl eher nicht oder selten. Muss man jeden mögen? Wer hat dieses Vermögen? Im Grunde ist jeder in seinem Kleinod, ein Mensch, kein Fürsprecher. Bin ich der Hüter? Welche Mitschuld gilt es zu klären? Dieses Übermensch-sein. Es ist die Frage der Moral und diese ist keine Herdenmoral, sondern eine Herde ohne Hirten. Wer also ist der Hirt? Bin ich der Hirt meines Bruders? Wenn keiner vor Gott verklagt wird, dann trifft es den Priester. Ist der Priester oder Pfarrer der Hüter meines Bruders? Ist der Priester für die Moral zuständig, der dem Herrn näher ist, als der Laie, weil er dem Leib Christi a priori nahe ist? Die Predigtkanzel wurde abgeschafft. Also, es ist kein a priori mehr. Wenn es aber kein a priori mehr ist, ist der Priester dann noch der Hüter meines Bruders? Sicher, weil er ja die Sakramente spendet und predigen ist kein Sakrament. Außerdem, mit Händen und Füssen zu predigen, macht noch keinen Hüter aus, sondern nur den Menschen per se, in all seinen Attitüden oder kausal seelischen Zuständen. Es macht den Künstler aus, welcher auf kunstvoll gestaltenen Predigtstühlen avanciert. Man sieht, dass ein Blick auf die Kirche kein einfacher ist; besonders dann nicht wenn es um den Nächsten geht, also um den Bruder, welcher einem Hüter bedarf. Nun, geht es um Schuld? Dann wird sie auf Gott projeziert oder man unterlässt es, die Sühneleistung zu suchen. Welche Sühne gibt es für den Bruder? Ist es eine Gemeinschaftsleistung, eine kollektive Schuld, welche sich in der Gesellschaft perpetuiert, die von Brüdern und Schwestern selber absieht? Ist es dieser Hochmut, sich gestört zu fühlen? Nein, sondern die Sünde wird öffentlich zur Schau angeregt, wie im Mittelalter und man wirft mit faulen Eiern und Gemüse nach dem angestrauchelten Bruder. Diese Moral ist interessant, birgt jedoch keinerlei Einsicht oder Erkenntnis. Es ist, Sache Gottes, aus dem Menschen einen Heiligen zu machen.