Mystik - Es gibt eigentlich nur wenige deutsche Mystiker, die wirklich spannend zu lesen sind. Abseits von Meister Eckhart finden sich hier die Helfta Schwestern und Heinrich Seuse, freilich auch Hildegard von Bingen. Hier ein Textausschnitt der Mechthild von Hackeborn:"An diesem Festtag, diesem Tag der Freude seines Herzens, legte er - um deiner Liebe willen - ein rosenfarbenes Gewand an, die Liebe seines Herzens hat es mit Blut gefärbt. Dazu hat er sich einen Kranz aus Rosen und Lilien auf sein Haupt gesetzt, dieser war mit Perlen umwunden den Tropfen seines allerkostbarsten Blutes. An seinen Händen trägt er reichlich durchbrochene Handschuhe, so daß er überhaupt nichts zurückhalten könnte, wenn er nicht alles dir übergeben würde, was er der ganzen Welt verborgen hatte."
Das Mittelalter hat wirklich schöne Texte hervorgebracht. Nikolaus von Kues schwebt mir hier vor und seine Betrachtungen über das Schöne, aber auch Paracelsus oder Thomas von Kempen. Johannes vom Kreuz fand ich persönlich schwierig zu lesen, aber Teresa von Avila, Katharina von Siena, schenken Einsichten die zu einer vollständigen Persönlichkeit heranreifen lassen.
"Dionysius handelt davon, daß gewisse göttliche Wirksamkeiten in die Kreaturwelt heraustreten, wodurch diese zur Ähnlichkeit mit Gott erhoben wird, da dieses Heraustreten ein bildendes und gestaltendes ist, wie aus der ersten Wärme alles Warme entsteht. Das erste Heraustreten, das in unserem Geiste vor sich geht, bezieht sich auf das Erfassen des Wahren. Das Wahre leuchtet alsdann auf, es zündet als etwa Gutes und nun erst erhebt sich das Verlangen nach ihm. Der Bewegung des Verlangens muß nämlich ein doppeltes Erfassen vorangehen: ein Erfassen der theoretischen Vernunft, welches das absolute Erfassen des Wahren selbst ist, und ein Erfassen der praktischen Vernunft, durch das Auffassen desWahren unter dem Gesichtspunkte des Guten. Nun erst entsteht dieSehnsucht nach dem Guten.""Das Schöne, das mit dem Guten gleichbedeutend ist, ist die Ursache aller Bewegungen der Geister, da die Sehnsucht das Bewegende ist."Nikolaus von Kues, Über das Schöne