»Mein Fräulein! Nehmen Sie allen Mut Ihres Herzens zusammen, um vor der Frage nicht zu erschrecken, die ich hiermit an Sie richte: Wollen Sie meine Frau werden? Ich liebe Sie, und mir ist es, als ob Sie schon zu mir gehörten. Kein Wort über das Plötzliche meiner Neigung! Wenigstens ist keine Schuld dabei, es braucht also auch nicht entschuldigt zu werden. Aber was ich wissen möchte, ist, ob Sie ebenso empfinden wie ich – dass wir uns überhaupt nicht fremd gewesen sind, keinen Augenblick! Glauben Sie nicht auch, dass in einer Verbindung jeder von uns freier und besser werde, als er es vereinzelt werden könnte, also excelsior? Wollen Sie es wagen, mit mir zusammenzugehen, als mit einem, der recht herzlich nach Befreiung und Besserwerden strebt? Auf allen Pfaden des Lebens und Denkens?«

Friedrich Nietzsche an Mathilde Trampeda

"steht heute mit betrübter und mutloser Haltung da." F. Nietzsche - Jenseits

Bei Nietzsche ist so interessant, wie er dann später zum Philologen wurde. Da schreibt er in jungen Jahren:

"Ich habe nun schon so manches erfahren, Freudiges und Trauriges, Erheiterndes und Betrübendes, aber in allem hat mich Gott sicher geleitet wie ein Vater sein schwaches Kindlein. Viel Schmerzliches hat er mir schon auferlegt, aber in allem erkenne ich mit Ehrfurcht seine hehre Macht, die alles herrlich hinausführt. Ich habe es fest in mir beschlossen, mich seinem Dienste auf immer zu widmen. Gebe der liebe Herr mit Kraft und Stärke zu meinem Vorhaben und behüte mich auf meinem Lebenswege. Kindlich vertraue ich auf seine Gnade: Er wird uns insgesamt bewahren, auf dass kein Unfall uns betrübe. Aber sein heiliger Wille geschehe! Alles, was er gibt, will ich freudig hinnehmen, Glück und Unglück, Armut und Reichtum, kühn selbst dem Tod ins Auge schauen, der uns alle einstmals vereinen wird zur ewigen Freude und Seligkeit. Ja, lieber Herr, lass dein Anlitz über uns leuchten ewiglich! Amen!"

Der junge Friedrich Nietzsche

Naumburg (später, nach dem Tod des Vaters)