Spr 8

Die Weisheit als Gabe Gottes: 8,1 - 9,18

Ruft nicht die Weisheit, /
 
erhebt nicht die Klugheit ihre Stimme? 12

Spr 8,1
Bei der Stadtburg, auf den Straßen, /
 
an der Kreuzung der Wege steht sie;

Spr 8,2
neben den Toren, wo die Stadt beginnt, /
 
am Zugang zu den Häusern ruft sie laut:

Spr 8,3
Euch, ihr Leute, lade ich ein, /
 
meine Stimme ergeht an alle Menschen:

Spr 8,4
Ihr Unerfahrenen, werdet klug, /
 
ihr Törichten, nehmt Vernunft an!

Spr 8,5
Hört her! Aufrichtig rede ich. /
 
Redlich ist, was meine Lippen reden.

Spr 8,6
Die Wahrheit spricht meine Zunge, /
 
Unrechtes ist meinen Lippen ein Gräuel.

Spr 8,7
Alle meine Worte sind recht, /
 
keines von ihnen ist hinterhältig und falsch.

Spr 8,8
Für den Verständigen sind sie alle klar /
 
und richtig für den, der Erkenntnis fand.

Spr 8,9
Nehmt lieber Bildung an als Silber, /
 
lieber Verständnis als erlesenes Gold!

Spr 8,10
Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert, /
 
keine kostbaren Steine kommen ihr gleich. 3

Spr 8,11
Ich, die Weisheit, verweile bei der Klugheit, /
 
ich entdecke Erkenntnis und guten Rat.

Spr 8,12
Gottesfurcht verlangt, Böses zu hassen. /
 
Hochmut und Hoffart, schlechte Taten /
 
und einen verlogenen Mund hasse ich.

Spr 8,13
Bei mir ist Rat und Hilfe; /
 
ich bin die Einsicht, bei mir ist Macht.

Spr 8,14
Durch mich regieren die Könige /
 
und entscheiden die Machthaber, wie es Recht ist;

Spr 8,15
durch mich versehen die Herrscher ihr Amt, /
 
die Vornehmen und alle Verwalter des Rechts. 4

Spr 8,16
Ich liebe alle, die mich lieben, /
 
und wer mich sucht, der wird mich finden.

Spr 8,17
Reichtum und Ehre sind bei mir, /
 
angesehener Besitz und Glück; 5

Spr 8,18
meine Frucht ist besser als Gold und Feingold, /
 
mein Nutzen übertrifft wertvolles Silber.

Spr 8,19
Ich gehe auf dem Weg der Gerechtigkeit, /
 
mitten auf den Pfaden des Rechtes,

Spr 8,20
um denen, die mich lieben, Gaben zu verleihen /
 
und ihre Scheunen zu füllen.

Spr 8,21
Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, /
 
vor seinen Werken in der Urzeit; 67

Spr 8,22
in frühester Zeit wurde ich gebildet, /
 
am Anfang, beim Ursprung der Erde.

Spr 8,23
Als die Urmeere noch nicht waren, /
 
wurde ich geboren, /
 
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.

Spr 8,24
Ehe die Berge eingesenkt wurden, /
 
vor den Hügeln wurde ich geboren.

Spr 8,25
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren /
 
und alle Schollen des Festlands.

Spr 8,26
Als er den Himmel baute, war ich dabei, /
 
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, 8

Spr 8,27
als er droben die Wolken befestigte /
 
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,

Spr 8,28
als er dem Meer seine Satzung gab /
 
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,

Spr 8,29
als er die Fundamente der Erde abmaß, /
 
da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag /
 
und spielte vor ihm allezeit.

Spr 8,30
Ich spielte auf seinem Erdenrund /
 
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

Spr 8,31
Nun, ihr Söhne, hört auf mich! /
 
Wohl dem, der auf meine Wege achtet.

Spr 8,32
Hört die Mahnung und werdet weise, /
 
lehnt sie nicht ab!

Spr 8,33
Wohl dem, der auf mich hört, /
 
der Tag für Tag an meinen Toren wacht /
 
und meine Türpfosten hütet.

Spr 8,34
Wer mich findet, findet Leben /
 
und erlangt das Gefallen des Herrn.

Spr 8,35
Doch wer mich verfehlt, der schadet sich selbst; /
 
alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Spr 8,36
1 ℘ Sir 24,1f
2 1-21: Die Weisheit tritt als Mahnrednerin auf wie in 1,20-33.
3 ℘ 3,15
4 ℘ Weish 6,20
5 ℘ Weish 8,5
6 ℘ Weish 8,2-4
7 22-33: Zur personifizierten Weisheit des Schöpfergottes vgl. die Einleitung. 22a: So mit S, Vg und der aramäischen Übersetzung; andere Übersetzungsmöglichkeit: als Erstling seiner Schöpfungswerke.
8 ℘ Ijob 28,24-27