Hab 2

Die Antwort Gottes: 2,1-5

Ich will auf meinem Wachtturm stehen, /
 
ich stelle mich auf den Wall und spähe aus, um zu sehen, was er mir sagt, /
 
was er auf meine Klage entgegnet. 1

Hab 2,1
Der Herr gab mir Antwort und sagte: /
 
Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, /
 
damit man es mühelos lesen kann.

Hab 2,2
Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, /
 
was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; /
 
wenn es sich verzögert, so warte darauf; /
 
denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. 2

Hab 2,3
Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, /
 
der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. 34

Hab 2,4
Wahrhaftig, der Reichtum ist trügerisch, /
 
wer hochmütig ist, kommt nicht ans Ziel, wenn er auch seinen Rachen aufsperrt wie die Unterwelt /
 
und unersättlich ist wie der Tod, wenn er auch alle Völker zusammentreibt /
 
und alle Nationen um sich vereinigt.

Hab 2,5

Die Weherufe: 2,6-20

Über den Habsüchtigen: 2,6-8

Werden sie nicht alle ein Spottlied auf ihn anstimmen? /
 
Ja, sie werden ihn verhöhnen und sagen: Weh dem, der zusammenrafft, was nicht ihm gehört, /
 
und sich hohe Pfänder geben lässt. /
 
Wie lange wird er es noch treiben?

Hab 2,6
Plötzlich werden vor dir deine Gläubiger stehen, /
 
deine Bedränger werden erwachen und du wirst ihre Beute.

Hab 2,7
Du hast viele Völker ausgeplündert; /
 
deshalb plündern jetzt die Völker dich aus, die übrig blieben, wegen des Blutes, das du vergossen hast /
 
unter den Menschen, wegen der Gewalttaten, die du verübt hast /
 
an Ländern und Städten und an all ihren Bewohnern. 5

Hab 2,8

Über den Ausbeuter: 2,9-14

Weh dem, der für sein Haus unrechten Gewinn sucht /
 
und sich hoch droben sein Nest baut, /
 
um dem drohenden Unheil zu entgehen. 6

Hab 2,9
Zur Schande für dein eigenes Haus /
 
hast du beschlossen, viele Völker niederzuschlagen; /
 
damit sündigst du gegen dich selbst.

Hab 2,10
Es schreit der Stein in der Mauer /
 
und der Sparren im Gebälk gibt ihm Antwort. 7

Hab 2,11
Weh dem, der eine Stadt mit Blut erbaut /
 
und eine Festung auf Unrecht gründet. 8

Hab 2,12
Bewirkt es nicht der Herr der Heere, /
 
dass die Völker sich plagen nur für das Feuer, /
 
Nationen sich abmühen für nichts?

Hab 2,13
Ja, das Land wird erfüllt sein von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, /
 
so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. 9

Hab 2,14

Über den Gewalttätigen: 2,15-17

Weh dem, der seinen Freund /
 
aus dem Becher seines Zorns trinken lässt, ja, ihn betrunken macht, /
 
damit man ihn nackt sieht.

Hab 2,15
Du sollst dich an Schande sättigen, nicht an Ehre; /
 
auch du sollst trinken und taumeln. Der Becher in der Hand des Herrn kommt nun zu dir; /
 
Schmach und Schande bedecken deine Ehre. 10

Hab 2,16
Denn dich erdrückt dein Verbrechen /
 
gegen den Libanonwald und die Vernichtung des Großwilds lastet auf dir, /
 
wegen des Blutes, das du vergossen hast unter den Menschen, wegen der Gewalttaten, die du verübt hast an Ländern und Städten /
 
und an allen ihren Bewohnern. 11

Hab 2,17

Über den Götzendiener: 2,18-20

Was nützt ein Götterbild, das ein Bildhauer macht, /
 
ein gegossenes Bild, ein Lügenorakel? Wie kann der Bildhauer auf den Götzen vertrauen, /
 
auf das stumme Gebilde, das er selber gemacht hat? 12

Hab 2,18
Weh dem, der zum Holz sagt: Erwache!, /
 
und zum stummen Stein: Wach auf! Gibt der Götze denn Auskunft? /
 
Gewiss, er ist mit Silber und Gold überzogen, /
 
doch er hat keinen Geist, keinen Atem.

Hab 2,19
Der Herr aber wohnt in seinem heiligen Tempel. /
 
Alle Welt schweige in seiner Gegenwart. 13

Hab 2,20
1 ℘ Ez 33,7
2 ℘ 2 Petr 3,9
3 ℘ Röm 1,17; Gal 3,11; Hebr 10,38
4 4b: Das hebräische Wort für «Treue» bedeutet auch «Glaube»; vgl. G und die angeführten Stellen aus dem NT.
5 ℘ Jes 33,1; Hab 2,17
6 ℘ Obd 4
7 Bildhafte Ausdrucksweise für die stumme Anklage (vgl. V. 12).
8 ℘ Jer 22,13; Mi 3,10
9 ℘ Jes 11,9
10 ℘ Jes 51,17; Klgl 4,21
11 ℘ 2,8
12 ℘ (18-19) Jes 44,9-20
13 ℘ Ps 11,4; Sach 2,17